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An der Stützpunktschule findet halbjährlich ein Kurs für GymnasiallehrerInnen "Fachgebundene Freie Arbeit in der Erprobungsstufe des Gymnasiums unter besonderer Berücksichtigung der Montessori-Pädagogik" statt. Interessenten wenden sich an die Bezirksregierung Düsseldorf, Dezernat 45, Postfach 30 08 65, 40408 Düsseldorf, Dienstgebäude Fischerstraße 10. Auf Anfrage gibt es für Lehrerinnen und Lehrer auch die Möglichkeit zu Hospitationen bzw. zu Fortbildungsmaßnahmen für Fachkonferenzen (Deutsch, Englisch, Mathematik), Teilkollegien oder Gesamtkollegien. Gymnasium Vogelsang Vogelsang 33 42653 Solingen, Koordinatorin:
C. Melzer, Der Montessori-Zweig des Gymnasiums Zahlen - Daten - Fakten
"Wollt ihr wirklich Klötzchenpädagogik am Gymnasium machen", so oder ähnlich wurden wir oft ungläubig oder sogar spöttisch gefragt, als bekannt wurde, dass wir am Vogelsang einen Montessori-Zweig einrichten wollten. Aber vor 13 Jahren, als Dr. Dieter Starke, der erste Schulleiter, die Idee ins Kollegium trug, war dies wirklich ein exotischer Gedanke. Erst Hospitationen an den wenigen anderen Gymnasien im Lande, wo man überzeugende Freiarbeit sehen konnte, ließen einige KollegInnen Feuer fangen. Wenn dennoch in den Anfangsjahren auch im eigenen Haus die Skeptiker überwogen, so war dies nur allzu verständlich. Und in manchen Punkten haben die Zweifler ja nicht ganz Unrecht. Da gibt es immer noch vereinzelt Eltern, die meinen, Montessori-Pädagogik packe ihr Kind in rosa Watte und trage es so sanft bis zum Abitur - aber bitte mit einem Notenschnitt von 1,5. Ein anderer Punkt: Es ist eigentlich viel zu viel Arbeit. Lohnt sich die ständige Mühe um den Erhalt der Materialien? Werden wir es je schaffen, einen Materialbestand zu haben, der unseren eigenen didaktischen und methodischen Anforderungen genügt, der jedem Kind ermöglicht, seinen Interessen in niveauvoller Weise nachzugehen, der Übungsmaterial zu allen Sachgebieten und in allen Differenzierungsgraden bereitstellt? Werden irgendwann die FachlehrerInnen das Freiarbeitsangebot optimal mit den eigenen Unterrichtsinhalten vernetzen? Vielleicht erst am St. Nimmerleinstag - ja wahrscheinlich erst dann, denn die Realität der nächsten Jahre ist herbe genug: Erhöhung der Lehrerarbeitszeit, Abbau der Altersentlastung, Erhöhung der Schülerzahlen in den Klassen, Überalterung der Kollegien - wo soll da die Kraft herkommen? Und dennoch - da hat an verschiedenen Stellen im Lande und modellhaft auch bei uns etwas angefangen, das zur Zeit nur so knospt und treibt. Da kommen ganze Lehrergruppen aus Hamburg und Fortbildungsmoderatoren der Bezirksregierung Münster, um vor Ort zu sehen, wie wir Freiarbeit durchführen und von uns zu lernen. Nichts mehr von kopfschüttelnder Kritik, sondern offene Bewunderung. Vielleicht schlägt das Pendel jetzt nur extrem zur anderen Seite aus - wo mag es sich einpendeln? Ich bin sicher, es gibt kein völliges Zurück mehr. Freiarbeit gibt dem Gymnasium einen deutlichen Stoß weg von der alten höheren Lehranstalt, wo ein für alle gleicher, verbindlicher Stoffkanon doziert wurde, aber auch weg von der anonymen Lernfabrik der 70er Jahre. Freiarbeit ändert den Charakter und die Atmosphäre von Schule - das ist das, was den Besuchern bei Hospitationen immer so positiv auffällt. Wenn ich auf 10 Jahre Montessori-Arbeit am Vogelsang zurückblicke, fallen mir dazu viele Mosaiksteinchen ein. Eltern streichen die Klassenräume ihrer Kinder, zimmern Stellagen, basteln Material, erschließen günstige Einkaufsquellen, kommen vormittags in die Schule, um die Kinder bei der Freiarbeit mit zu beaufsichtigen. Und die Behörde verhindert nicht mehr, dass Initiative ergriffen und Verantwortung übernommen werden. Und die Schülerinnen und Schüler? Es ist schon ein schönes Gefühl, wenn man als KlassenlehrerIn plötzlich merkt, dass es irgendwann zwischen zwei Freiarbeitsstunden geklingelt haben muss, aber niemand die Klingel beachtet hat. Oder wenn ein Mädchen, das mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuß steht, aus echter, freier Entscheidung zu einem kommt, nach Übungsmaterial verlangt und am Ende der Freiarbeit fragt. "darf ich das mit nach hause nehmen und daran weitermachen?". Oder wenn Schülerinnen und Schüler ein Thema ganz selbständig bearbeiten und dabei außerordentlichen Einsatz zeigen, zur Stadtbücherei gehen, sogar ins Stadtarchiv, oder mit ihren 12 Jahren ganz selbstverständlich und sicher in unserer Schulbibliothek dicke Nachschlagewerke benutzen. Quo vadis - Montessori Vogelsang? Gefahren gibt es reichlich: Der Reiz des Neuen ist verblasst, Freiarbeit machen bald alle ( wir zeigen es ihnen ja auch gerne) - also, Routine? Aber: Wer als Lehrerin und Lehrer und Schülerin und Schüler einmal auf den Geschmack gekommen ist - wird von den einmal gewonnen Freiräumen und Lernmöglichkeiten nicht mehr ganz lassen können. Also - es gibt auch in Zukunft viel zu tun - packen wir es an und hoffen auf Unterstützung. Montessori e.V Solingen - ein Verein nicht nur fürs Sponsoring Seit die öffentlichen Gelder immer knapper werden, sollen auch Schulen neue Wege des Sponsoring gehen. Die Montessori-Arbeit in der Bundesrepublik war schon immer auf private Geldspenden angewiesen. So war es für die Arbeit am Gymnasium Vogelsang sehr wichtig, dass schon vor Errichtung des Montessori-Zweiges der Montessori-Verein Solingen entstand. In den ersten Jahren lag der Schwerpunkt der Arbeit auf der Information. Es galt Unwissenheit und Vorurteilen zu begegnen, durch den Anschluss an die Aktionsgemeinschaft deutscher Montessori-Vereine Kontakte zu anderen Schulen zu finden und Lehrern die Teilnahme an überregionalen Weiterbildungsmaßnahmen zu ermöglichen oder solche Veranstaltungen zu organisieren. Je mehr die öffentliche Hand sich wegen Geldknappheit im Bereich der Weiterbildung beschränken muss, desto wichtiger sind die Aktivitäten privater Initiativen, z.B. unseres kleinen Vereins. Durch den Anstieg der Montessori-Schüler bei gleich bleibendem städtischem Etat für den Montessori-Zweig, bekam die finanzielle Unterstützung des Gymnasiums immer größere Bedeutung. Derzeit hat der Verein 277 Mitglieder, 1996 wurden 6.626,- DM an Mitgliedsbeiträgen eingenommen. Mitglieder sind Eltern und LehrerInnen des Gymnasiums Vogelsang, der Realschule Vogelsang und der Hauptschule Central. Christa Melzer 1. Vorsitzende des Montessori-Vereins Tel.: 0212 / 2642035, Fax: 0212 / 2642036 |
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