Wie das Gymnasium Vogelsang zu seinem Namen kam
(aus dem Sagenwettbewerb)

Noch vor etwa 200 Jahren war das Gebiet um unser Gymnasium und den Botanischen Garten vom Lochbachtal bis zum Ittertal von einem großen urwüchsigen Wald bedeckt.

Von ihm hatte auch die Stadt "Wald (Rheinland)", heute unser Stadtteil, ihren Namen erhalten. Dieser Wald war seiner Größe, seiner Schönheit und seiner wunderbaren Eigenschaften wegen weithin berühmt. Mancher betrat diesen Wald mit schwerem Herzen, wie der "Peffermöntkes Fritz", dessen jüngster Sohn krank lag, "stief wie'n Brett, wett wie 'ne Wand!". Und wie so manchem ging es auch (...) ihm: Je länger er ging, desto froher wurde er. Solche Bäume wie hier, ja, die hatte weit und breit noch keiner gesehen und solchen Vogelgesang hatte noch keiner woanders gehört.

Als er schließlich in die Mitte des Waldes gelangt war, an den Baum mit den wunderbaren Früchten, waren alle Sorgen vergessen. Auf diesem Baum saß ein Vogel, so schön wie die Früchte des Baumes, und die schimmerten wie Rubin und Smaragd, wie Saphir und Granat. Wenn dieser Vogel des Morgens zu singen anfing, dann antworteten alle Vögel des Waldes und die Luft war erfüllt von diesem Vogelgesang. Den Leuten in Wald war es klar, dass die wundertätige Wirkung des Waldes auf diesem Vogel und seinem Gesang beruhte. Auch der "Peffermöntkes Fritz" hat das damals erfahren. Denn als er eine halbe Stunde unter dem Baum gesessen und dem Gesang des Vogels gelauscht hatte, wurde sein Herz so leicht, dass er sich getraute, nach Hause zurückzukehren.

Und wirklich, seinem Sohn ging es besser: Er war wieder zu sich gekommen und die Farbe war in seine Wangen zurückgekehrt. Und weil dies die Leute wussten, schützten sie den Wald und achteten darauf, dass keiner den Früchten oder dem Vogel des Wunderbaumes nachstellte. Seine wohltätige Wirkung war aber so groß, dass sogar Ohligser und Haaner dabei halfen, den Wald zu schützen.

Als aber eines Tages die Kunde vom Wundervogel auf einem Baum voller Edelsteine nach Remscheid drang, erwachte in einem dortigen Ratsherrn der Neid. Er wollte den Vogel und die Früchte des Baumes für seine Stadt gewinnen und beauftragte einen Jäger, den Vogel zu fangen und eine Frucht von jeder Sorte zu pflücken. In einer nebligen Aprilnacht erreichte der Jäger den Rand des Waldes und schlich sich langsam zu dem Baum. Der Vogel schlief. Mit einem Griff riss der Jäger zwei Früchte vom Baum. Sogleich erzitterte der Baum und mit ihm alle anderen Bäume des Waldes, und noch während der Jäger die Früchte betrachtete, begann das frische Grün der Bäume zu vergilben und abzufallen. Jetzt warf der Jäger ein großes Netz aus, um den Vogel zu fangen. Da erschauerte der Wald unter dem Klageschrei des Vogels, er breitete seine roten Schwingen aus und erhob sich in die Luft, und mit ihm flogen die meisten Vögel des Waldes davon. Am nächsten Morgen fand ein Wanderer den Wald verdorrt und verlassen und den bewusstlosen Jäger mit einer verfaulten Birne in der Hand unter dem morschen Wunderbaum liegen.

Zur Erinnerung an den wunderbaren Vogel und seinen Gesang nannte der Rat der Stadt Wald den Ort, wo dies geschah, "Vogelsang". Man beschloss dann, an dieser Stelle, wo der Lebensbaum des Vogels gestanden hatte, dereinst etwas ganz Besonderes zu bauen. Und als dann die Walder mehr als hundert Jahre später ihr eigenes Gymnasium wollten, da fiel ihnen diese besondere Stelle in ihrem Stadtteil wieder ein. Sie bauten ein großzügiges Schulzentrum und nannten es "Gymnasium und Realschule Vogelsang". Und noch heute lässt sich ein Hauch der Wunderkraft des Ortes spüren: Denn noch heute gehen die Kinder mit Sorgen beladen dorthin, um Mittags von Sorgen befreit und fröhlich den Ort wieder zu verlassen.

(H.Klein Klasse 7c, Siegerin beim Sagenwettbewerb 1997)